Vorzeitige Artikulation

Vorzeitige Artikulation

Vorzeitige Artikulation ist ein häufiges Problem.  Den Mund in Aktion zu setzen, bevor das Gehirn in Gang kommt, ist die Ursache.  Die Auswirkungen eines solchen Problems können weitreichende Konsequenzen haben, besonders am Arbeitsplatz.

Was können Sie tun, um sicherzustellen, dass Sie nicht unter dieser Störung leiden?

Fragen Sie irgendjemanden danach, was eine gute Führungskraft ausmacht, und er wird sicher die Fähigkeit zu kommunizieren ganz oben auf die Liste der notwendigen Fähigkeiten setzen.  Doch allzu oft wird Kommunikation einfach als die Fähigkeit zu sprechen gesehen.

Aktives Zuhören ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug, das manchmal eher vernachlässigt wird.

So erging es Herrn Ullrich Berger, eine engagierte Führungskraft im mittleren Management mit guten Aufstiegschancen, der feststellte, dass:
“Ich fühle mich wirklich frustriert.  Ich schlage in Meetings oft Ideen vor, aber andere bekommen die Anerkennung! Ich möchte unbedingt befördert werden und möchte beeindrucken”

 

Ulli war erpicht darauf, gut abzuschneiden.  Er wollte, dass seine Vorgesetzten sein Potenzial anerkennen und hielt es für wichtig, mit guten Leistungen aufzuwarten. Bei Besprechungen versuchte Ulli immer, sich als Erster einzubringen. So ergriff er schnell das Wort, überging oft andere und unterbrach die Kollegen und gelegentlich auch Vorgesetzte.

Das hatte eine Reihe von Konsequenzen, die ganz anders waren als seine ursprüngliche Absicht:

Die Chefs verloren den Faden; sie empfanden die Unterbrechungen als störend.

Ulli konzentrierte sich viel mehr auf das, was er sagen wollte, anstatt zu verinnerlichen, was die anderen sagten.  Seine Beiträge waren nicht auf die Sache fokussiert oder waren oberflächlich, weil er sich nicht die Zeit genommen hatte, das Gesagte mit Bezug auf das Gesamte zu analysieren.

Gedanken wurden artikuliert, bevor sie vollständig ausformuliert waren.  Andere griffen die Idee auf, dachten sie logisch zu Ende und artikulierten sie als ihre eigenen und sammelten damit viele Pluspunkte bei den Chefs

Das Problem war die verfrühte Artikulation, ein sehr häufiges Problem.  Die Lösung ist leicht zu erkennen, erfordert aber regelmäßiges Üben, wenn das neue Verhalten zur zweiten Natur werden soll.

In unseren Coachings überlegten wir, wie wir das Problem in den Griff bekommen könnten. In Folge traf Ulli die bewusste Entscheidung, sich bei der nächsten Sitzung anders zu verhalten:

  • Ruhig zu bleiben, aufmerksam zuzuhören und nur dann etwas beizutragen, wenn nach ihrer Meinung gefragt wurde.
  • Es wurden Strategien für das Zuhören, das Ordnen der Gedanken und das Festhalten von Ideen geplant, internalisiert und geübt.
  • Es wurde vereinbart, dass Ideen erst nach ausreichendem Nachdenken angeboten werden sollten, um sicherzustellen, dass sie logisch geordnet und angehört wurden.

 

Das Ergebnis war bemerkenswert.  Ulli fühlte sich nun mehr in Kontrolle und war mit positiven, gut durchdachten Beiträgen zur Stelle, die ihm dann konsequenterweise bei seinen Vorgesetzten die gewünschte Anerkennung einbrachte.

Ulli stellte fest, dass die Situation in Meetings weniger stressig und hektisch war, da der Leistungsdruck geringer war.

Aufmerksam zuzuhören, sich Zeit zu nehmen, seine Gedanken zu sammeln, bevor er einen Beitrag anbietet, hat zwar etwas Mühe gekostet, aber es hat sich für ihn gelohnt.

Das Feedback von Ulli‘s Chef war äußerst positiv.

 

Praktische Tipps und Anregungen finden Sie in meinem Blog. Viel Spaß.

© Ulf Brackmann |Kontaktieren Sie mich:  info@ulfbrackmann.com | ulfbrackmann.de  |

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Ulf Brackmann (Editor)
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